
Nika saß oft am Fenster.
Während die anderen Kinder Aufgaben lösten, beobachtete sie Wolken.
Blätter im Wind.
Spiegelungen in Pfützen.
Sie stellte Fragen, auf die niemand vorbereitet war.
„Warum schwimmen manche Blätter länger als andere?“
„Kann man Müll wieder in etwas Schönes verwandeln?“
Manche Lehrer waren genervt.
Einige Mitschüler lachten.
Oft hatte Nika das Gefühl, nicht dazuzugehören.
Nach und nach wurde sie stiller.
Sie meldete sich seltener.
Sie begann zu glauben, dass ihre Fragen vielleicht wirklich dumm waren.
Doch eines Tages blieb ihre Lehrerin nach dem Unterricht bei ihr stehen.
Sie zeigte auf ein vollgekritzeltes Blatt Papier.
Skizzen.
Ideen.
Pfeile.
Gedanken.
Und sagte:
„Weißt du eigentlich, wie besonders das ist?“
Nika schaute überrascht auf.
Zum ersten Mal hatte jemand nicht ihre Fehler gesehen.
Sondern ihre Stärke.
Von diesem Tag an änderte sich etwas.
Die Lehrerin gab ihr Bücher.
Ermutigte sie.
Hörte ihr zu.
Und vor allem:
Sie nahm ihre Fragen ernst.
Jahre später studierte Nika Materialwissenschaften.
Dann Umwelttechnik.
Später entwickelte sie mit ihrem Team ein Verfahren, das Mikroplastik aus Gewässern filtern konnte.
Flüsse wurden sauberer.
Seen klarer.
Neue Materialien entstanden.
Neue Ideen entstanden.
Neue Unternehmen entstanden.
Bei einer Preisverleihung fragte ein Journalist:
„Wann begann Ihre wichtigste Entdeckung?“
Nika dachte einen Moment nach.
Dann lächelte sie.
„Nicht im Labor.“
Sie blickte kurz zum Himmel.
Fast so, als würde sie etwas suchen.
Dann sagte sie:
„Sondern an dem Tag, an dem jemand an mich geglaubt hat.“