Serhat arbeitete seit vielen Jahren in einem Unternehmen.


Jedes Jahr wurden neue Ziele gesetzt.


Mehr Umsatz.

Mehr Kunden.

Mehr Wachstum.

Mehr Leistung.


Die Tabellen sahen gut aus.


Doch etwas anderes sah nicht gut aus.

Immer mehr Kollegen wirkten erschöpft.

Manche hatten kaum noch Zeit für ihre Familien.


Andere nahmen Arbeit mit nach Hause.

Einige kündigten.


Trotzdem wurden die Ziele jedes Jahr höher.


Eines Tages saß Serhat in einer Besprechung.


Auf einer Leinwand erschienen wieder neue Zahlen.

Wieder neue Ziele.

Wieder neue Erwartungen.

Plötzlich fragte er:


„Wann ist eigentlich genug?“


Im Raum wurde es still.

Niemand hatte darauf eine Antwort.

Die Frage ließ Serhat nicht mehr los.

Er begann zu beobachten.


Die Menschen arbeiteten nicht zu wenig.

Die Systeme verlangten immer mehr.

Termine.

Kennzahlen.

Kontrollen.

Vorgaben.

Alles war darauf ausgelegt, die Leistung zu steigern.

Aber immer weniger darauf, Menschen zu unterstützen.

Jahre später übernahm Serhat selbst Verantwortung.


Er änderte nicht alles auf einmal.

Nur einige Dinge.

Mehr Vertrauen.

Weniger unnötige Kontrollen.


Mehr Freiraum für eigene Entscheidungen.

Mehr Zeit für Familie und Erholung.

Viele hielten das für riskant.


Doch etwas Überraschendes geschah.

Die Menschen arbeiteten motivierter.

Die Zusammenarbeit wurde besser.

Neue Ideen entstanden.

Weniger Menschen kündigten.


Andere Unternehmen wurden aufmerksam.

Einige übernahmen ähnliche Ansätze.

Mit der Zeit entstand eine neue Frage:


Nicht mehr:

„Wie können Menschen dem System dienen?“

Sondern:


„Wie kann das System den Menschen dienen?“


Viele Jahre später fragte ein Journalist Serhat:

„Was war die wichtigste Entscheidung Ihres Lebens?“


Serhat dachte kurz nach.

Dann antwortete er:


„Ich habe aufgehört, Menschen an Systeme anzupassen.“


„Und angefangen, Systeme an Menschen anzupassen.“

Serhat


Systeme, wem dienen sie?